Für ein besseres Miteinander – MBTI in der Praxis

Kategorien: Allgemein, wir bei acondasVeröffentlicht: 11.10.2022

Experteninterview mit dem Führungskräftetrainer Dragan Milicevic

Dragan Milicevic ist qualifizierter Coach für Führungskräfte und Experte für Persönlichkeitsentwicklung – er hilft Top-Führungskräften und ihren Teams, ihr Potenzial für den Erfolg freizusetzen. Bei seiner Arbeit wendet er die neusten Entwicklungen der Neurowissenschaft und der positiven Psychologie an. Darüber hinaus basiert seine berufliche Erfahrung auf seiner Tätigkeit als Head Trainer & Coach bei führenden Unternehmensberatungen sowie Erkenntnissen aus seiner Zeit als Leistungssportler.

Im Rahmen unseres Strategiemeetings hatten wir die Möglichkeit ein Training mit Dragan zu absolvieren und uns einen Tag mit dem Myers Briggs Typen Indikator zu beschäftigen. Im Anschluss war noch Zeit für unsere Fragen:

Wie können wir die Ergebnisse bestmöglich bei acondas nutzen und die neuen Kenntnisse in den Arbeitsalltag integrieren?

Die Ergebnisse des MBTI geben mir Informationen, was meine Präferenzen sind und die meines Gegenübers. So kann ich meine Kommunikation und mein Verhalten anpassen und sorge damit für eine reibungslose Zusammenarbeit. Wenn ich z.B. weiß, dass jemand eher introvertiert ist, dann gebe ich der Person etwas Zeit auf mein Gesagtes zu reagieren, bevor ich weiter mache. Oder ich spreche sie direkt an und bitte um die persönliche Sichtweise. Wenn ich weiß, dass eine andere Person sehr geplant und strukturiert in der eigenen Arbeitsorganisation ist und Schwierigkeiten hat spontan auf Änderungen zu reagieren, dann sollte ich sie rechtzeitig über Änderungen, z.B. im Projekt- oder Prozessablauf informieren, damit sie sich entsprechend einrichten kann.

Kann es vorkommen, dass mein Typ nicht meiner Rolle im Unternehmen entspricht? Wie gehe ich damit um?

An dieser Stelle ist es wohl wichtig zu sagen: Es gibt keinen besseren Typen. Der Test misst nicht Fähigkeiten, Erfolgswahrscheinlichkeit, Intelligenz, Fertigkeiten, Reife oder geistige Gesundheit.

Das Ergebnis des MBTI gibt Aussagen darüber, wonach ich meine Energie ausrichte, wie ich Entscheidungen treffe und wie ich mich zur Außenwelt orientiere. Die Aussage betrifft jedoch lediglich eine Präferenz auf einer Skala und nur wenige von uns sind ausschließlich das eine oder das andere. Eine extravertierte Person wird beispielsweise weniger Energie für eine Präsentation vor einem großen Publikum aufwenden müssen als eine introvertierte Person. Wird sie eine bessere Präsentation abliefern – weiß man nicht. Darüber sagt der Test nichts aus.

Was ich aber weiß, ist, dass ich in einem solchen Fall deutlich mehr Energie aufwenden muss als in einer Rolle, die meinen Präferenzen entspricht. Die Frage für jeden Einzelnen ist: Wie groß ist der Unterschied zwischen meinem Typen und den Erwartungen der Rolle?

Kann sich mein Persönlichkeitstyp ändern?

Gemäß der Myers-Briggs-Theorie ist der Persönlichkeitstyp angeboren und ändert sich nicht. Die Art wie wir unseren Typ nach außen zeigen, kann sich allerdings ändern. Wenn wir älter und reifer werden, entwickeln wie verschiedene Facetten unseres Persönlichkeitstypen oder lernen mit unseren Stärken und Schwächen besser umzugehen. Eine radikale Änderung des Persönlichkeitstypen könnten jedoch nur einschneidende Ereignisse wie beispielsweise eine schwere Traumatisierung wie z.B. durch Unfall oder psychosoziale Faktoren herbeiführen.

Meine Selbst- und Fremdwahrnehmung zeigt an einer Stelle eine Abweichung – was bedeutet das?

Das muss nicht unbedingt etwas Negatives bedeuten, wenn es eine Diskrepanz zwischen der eigenen und der äußeren Wahrnehmung gibt. Wir alle wissen: Bestimmte Situationen erfordern bestimmtes Verhalten. Verhalten, das eventuell gar nicht meiner Persönlichkeit entspricht. Somit kann es vorkommen, dass meine Kolleg:innen mich anders einschätzen, weil der Arbeitskontext von mir ein bestimmtes Verhalten fordert. An der Stelle sollte jedoch auch angemerkt werden, dass ein gegensätzliches Verhalten dauerhaft zu einer hohen Energieaufwendung führt und überlegt werden sollte, ob sich etwas an der Situation ändern lässt.

Vielen Dank für das Interview!

Bei Fragen zum MBTI-Test im acondas Team sowie zu unserer Beratungsarbeit stehen wir unter info@acondas.com sehr gerne zur Verfügung.

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